Unser Missionsauftrag
Unser Missionsauftrag
„Wir leben in einer privilegierten Zeit; denn heute kann das Evangelium Jesu Christi in fast alle Bereiche der Menschheit gelangen.“ Davon ist Pater Włodzimierz Burzawa, Mitglied der polnischen Provinz, überzeugt. Im März 2022 sprach er vor der Ordensgemeinschaft in Betzdorf über den Missionsauftrag der Kirche und speziell unserer Ordensgemeinschaften.
Die These von Pater Burzawa, der ehemals Missionar in Papua-Neuguinea war: Überall sei die Mission „ad gentes“ möglich. Mit dem Lateinischen „ad gentes“ bezieht er sich auf das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche, das mit den Worten „ad gentes“ beginnt und sich an alle „Völker“ richtet.
Als Missionare von der Heiligen Familie sind wir als internationale Gemeinschaft diesem Missionsaustrag verpflichtet.
Auch wenn die europäischen Provinzen – außer Polen – wegen Nachwuchsmangel und Überalterung diesem Auftrag nur begrenzt oder gar nicht mehr nachkommen können, bleibt die Sendung „ad gentes“ die treibende Kraft unserer Gemeinschaft.
In den jüngeren Provinzen ist der missionarische Eifer ungebrochen. Zu den schon bestehenden Provinzen und Missionsgebieten haben sich, wie Pater Burzawa ausführte, für die Kongregation neue Felder eröffnet: in Kuba, in Amazonien, in Bolivien, in Papua-Neuguinea, in Mozambik. „Mission ad gentes“, das ist die Mission der Kirche und damit die Mission unseres Ordens, betonte Pater Burzawa.
Werfen wir also einen Blick auf die aktuellen Zahlen unserer Ordensgemeinschaft und auf die Länder, in denen die Missionare von der Heiligen Familie leben und tätig sind.
Der Orden zählt zurzeit 760 Mitglieder mit Profess, also mit Ordensgelübden. Davon sind sechs Bischöfe, 574 Priester, 133 Fratres in der Ausbildung und 47 Ordensbrüder. Die Ordensleitung, die ihren Sitz in Rom hat, gibt Auskunft: „Unser Orden zählt 78 Niederlassungen in 24 Nationen. Zurzeit gibt es Provinzen in Deutschland, Indonesien (Java und Kalimantan). Lateinamerika. Madagaskar. Polen. Spanien und Delegationen, die dem Generalat in Rom unmittelbar unterstehen: Frankreich, Niederlande. Nordamerika. Schweiz.”
Zahlen sind informativ. Aber sie sagen wenig aus über den Geist und die Spiritualität einer Gemeinschaft. Auch wenn schon oft über die Geschichte der Kongregation berichtet wurde, so soll beim Abschied vom Kloster Bruche auch von den Anfängen und Zielsetzungen der
Missionare von der Heiligen Familie erzählt werden.
In der Kurzform spricht man von den MSF. das ist die Abkürzung des lateinischen Namens unseres Ordens: Missionarii a Sacra Familia – Missionare von der Heiligen Familie.
Ein Gründer mit Charisma
Unsere Ordensgemeinschaft wurde am 28. September 1895 in Grave (Holland) gegründet durch den französischen Priester Jean Berthier. Er hatte nichts als sein unerschütterliches Gottvertrauen, den Segen Papst Leos XIII. und als Kloster und Ordensseminar eine baufällige Kaserne. Sein Werk stellte er unter den Schutz der Heiligen Familie, die nach den Worten Berthiers „nie in einem Palast gewohnt hat“. Sein Ziel war die Förderung missionarischer Berufe. Es wollte Missionare ausbilden, „die vom Geist der Heiligen Familie geprägt, sich mit wenig zufriedengeben und um der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen Entbehrungen auf sich nehmen.“
Pater Berthier war Missionar von La Salette, einem Berg in den französischen Alpen, wo die Gottesmutter Maria 1846 zwei Hirtenkindern erschien. Berthier predigte auf dem Berg der Erscheinung den vielen Pilgern und nahm ihnen die Beichte ab und war außerdem ein gefragter religiöser Schriftsteller. Neben diesen Tätigkeiten wirkte er in den meisten französischen Diözesen als Volksmissionar. Dabei begegneten ihm Jugendliche, die sich zum Ordensleben und Priestertum berufen fühlten. Doch weil sie arm oder bereits zwischen 14 und 30 Jahre alt waren, glaubten sie, dieses Ziel nicht mehr erreichen zu können. Pater Berthier bemühte sich, solche Spätberufene und finanziell schwach Gestellte zu fördern. Das gelang – trotz vieler Widerstände. Weil zu seiner Zeit die Ordensgründung in Frankreich verboten war, ging er nach Holland. Sein Grab befindet sich aber auf dem Berg von La Salette, wo er die Inspiration für seine Gründung empfangen hatte und nun ein beliebtes Wallfahrtsziel für seine geistlichen Söhne ist.
Schon drei Jahre nach dem Tod des Gründers – er starb bereits mit 68 Jahren am 16. Oktober 1908 – gingen Missionare von der Heiligen Familie in das Amazonasgebiet Brasiliens, später nach Texas, Ost-Kalimantan und Java. Sowohl in Nordnorwegen wie in den Armenvierteln von Buenos Aires, in Chile und Madagaskar, nehmen Missionare von der Heiligen
Familie missionarische Aufgaben wahr. Die Generalleitung hat ihren Sitz in Rom. Gerade weil Pater Jean Berthier seine Gründung als Antwort auf die Nöte der Zeit verstanden hat, ist immer wieder eine Neuorientierung nötig. Die Aufgabe in einem Europa, das Missionsland geworden ist und sich neuformiert, ist eine andere als in Lateinamerika oder Asien.
Daran hat Pater Burzawa erinnert, wenn er sagt: ..Die Kirche – und unsere Kongregation als Teil der Kirche – muss aus Sorge um das Heil aller Menschen Missionare „ad gentes“ aussenden. Dazu sind wir aus Liebe verpflichtet. Die Kirche darf nie das Missionarische, das zu ihrem Grundauftrag gehört, vergessen oder aufgeben.“
Zum Schluss seines Vortrags fasste der Mitbruder aus Polen, seine Gedanken in
die Aussage zusammen: Die „Mission ad gentes“ hat sich gewandelt. Sie wird auch in Zukunft ständig auf die sich wandelnden Situationen des Lebens eingehen müssen. Und weiter: Die „Mission ad gentes“ kann heute nicht einfach den missionarischen (Ordens-) Gemeinschaften überlassen werden. Sie muss das Anliegen aller Christen sein, so wie es unsere Ordensregel vorsieht: Gemeinsam mit den Laien dem Sendungsauftrag Jesu Christi dienen.
So bleibt zu hoffen, dass der missionarische Geist in vielen, die dem Orden verbunden sind, weiterhin Früchte trägt, auch wenn das Kloster der Heiligen Familie in Betzdorf-Bruche nicht mehr besteht.
P. Gerhard Eberts MSF